Association of SARS-CoV-2 vaccination status with risk of influenza-like illness and loss of workdays in healthcare workers
https://www.aletheialib.org/doc/879
abstract : Hintergrund
In der Phase nach der Pandemie ist der Nutzen einer jährlichen SARS-CoV-2-Auffrischungsimpfung für Beschäftigte im Gesundheitswesen unklar. In dieser multizentrischen Kohortenstudie wollten wir den Zusammenhang zwischen dem SARS-CoV-2-Impfstatus und anderen Risikofaktoren mit dem Auftreten von influenzaähnlichen Atemwegserkrankungen und den durch influenzaähnliche Atemwegserkrankungen verursachten Arbeitsausfällen ermitteln.
Methoden
Während einer Phase hoher SARS-CoV-2-Übertragung in der Bevölkerung (November 2023 bis Mai 2024) sammelten wir wöchentlich Daten zu Symptomen und krankheitsbedingten Fehlzeiten und verwendeten eine negative binomiale Regression, um Risikofaktoren für diese Ergebnisse bei 1745 Beschäftigten im Gesundheitswesen zu identifizieren. Um die Wirkung des Impfstoffs herauszuarbeiten und potenzielle Störfaktoren zu berücksichtigen, wurde zusätzlich eine inverse Wahrscheinlichkeitsgewichtungsanalyse durchgeführt.
Ergebnisse
In beiden Analysen zeigen wir, dass mehr SARS-CoV-2-Impfungen mit einem höheren Risiko für grippeähnliche Atemwegserkrankungen und Arbeitsausfälle verbunden sind. Bei grippeähnlichen Atemwegserkrankungen ist der Zusammenhang stärker mit einem kürzlich erfolgten Impftermin als mit der Anzahl der Impfungen, was darauf hindeutet, dass die Wirkung mit der Zeit nachlässt. Im Gegensatz dazu ist die saisonale Grippeimpfung mit einem verringerten Risiko für beide Ergebnisse verbunden.
Schlussfolgerungen
Auf der Grundlage unserer Daten kommen wir zu dem Schluss, dass die SARS-CoV-2-Auffrischungsimpfung nicht zum Schutz des Gesundheitspersonals in einer postpandemischen Situation beiträgt. Die SARS-CoV-2-Impfung kann sogar vorübergehend die Wahrscheinlichkeit einer symptomatischen Infektion und von Arbeitsausfällen erhöhen.
Zusammenfassung in einfacher Sprache
In den Jahren nach der COVID-19-Pandemie ist noch unklar, ob jährliche COVID-Auffrischungsimpfungen für Risikogruppen wie Beschäftigte im Gesundheitswesen notwendig sind. In dieser Studie wurden 1745 Beschäftigte im Gesundheitswesen in der Schweiz über mehrere Monate hinweg beobachtet, um festzustellen, wie sich ihr Impfstatus auf ihr Risiko für grippeähnliche Erkrankungen und Arbeitsausfälle auswirkte. Die Studie ergab, dass diejenigen, die kürzlich eine COVID-19-Auffrischungsimpfung erhalten hatten, häufiger Symptome meldeten und sich krankschreiben ließen. Im Gegensatz dazu meldeten Personen, die die saisonale Grippeimpfung erhalten hatten, seltener Symptome oder Fehlzeiten am Arbeitsplatz. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass COVID-19-Auffrischungsimpfungen in einer Situation nach der Pandemie möglicherweise keine eindeutigen kurzfristigen Vorteile bieten und sogar das Risiko einer kurzfristigen Erkrankung erhöhen können. Dies wirft Fragen hinsichtlich der besten Verwendung von Auffrischungsimpfungen in der Zukunft auf.
article_id : 879
author : Dörr, T.; Lacy, J.; Ballouz, T. ;et al.
comment : Wenn die Impfung zum Bumerang wird…
Aug 21, 2025 09:53 pm | Prof. em. Dr. med. Pietro Vernazza
Es gibt Studien, die man besonders gern liest. Zum Beispiel dann, wenn man selbst bei ihrer «Geburt» beteiligt war. Im März 2020, als die Pandemie gerade Fahrt aufnahm, half ich am Kantonsspital St. Gallen mit, eine Kohortenstudie für Gesundheitsfachpersonen zu initiieren und die erste Finanzierung zu sichern. Heute, mehr als fünf Jahre und zahlreiche Publikationen später, gehört diese Kohorte zu den am besten dokumentierten Gruppen von Angestellten im Gesundheitswesen in der Schweiz.
Die aktuelle Veröffentlichung, erschienen 2025 in Nature Communications (Dörr et al), ist brisant: Sie zeigt, dass die Häufigkeit von sogenannten influenza-like illness (kurz ILI) nach COVID-19-Impfung höher war – vor allem in den ersten Wochen nach der dritten und vierten Dosis.
Was bedeutet „influenza-like illness“?
ILI ist ein medizinischer Sammelbegriff für Erkrankungen, die einer Grippe ähneln, aber nicht zwingend von Influenzaviren verursacht werden. Typischerweise umfasst die Definition Fieber in Kombination mit Husten, Halsschmerzen, Gliederschmerzen oder allgemeinem Krankheitsgefühl. In der St. Galler Kohorte wurden diese Symptome wöchentlich per Online-Fragebogen erfasst, ergänzt durch Tests, wenn es medizinisch angezeigt war.
Die wichtigsten Resultate
Die Analyse umfasste die Grippesaison von November 2023 bis April 2024. Besonders nach der dritten und vierten COVID-19-Impfung waren die ILI-Neuerkrankungen in den ersten Wochen signifikant erhöht. In der untenstehenden Abbildung aus der Studie sieht man, dass unter den nie geimpften (ganz links) ein höherer Prozentsatz nie an Grippe erkrankte und dass die Erkrankungsrate (gelb: einmal, grün: mehrmals) höher war, je häufiger die Person geimpft wurde.
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(multipolar)
Eine neue Studie zeigt, dass Corona-Impfungen „mit einem höheren Risiko für grippeähnliche Atemwegserkrankungen und Arbeitsausfälle“ verbunden sind. Die Studie von Schweizer Klinik- und Universitätsmedizinern wurde am 9. August in der Zeitschrift „Nature“ veröffentlicht. Die Autoren schreiben, eine „SARS-CoV-2-Auffrischungsimpfung“ trage „in der post-pandemischen Zeit nicht zum Schutz des Gesundheitspersonals bei“, sie könne sogar „die Wahrscheinlichkeit einer symptomatischen Infektion und von Arbeitsausfällen erhöhen“. Die herkömmliche saisonale Grippeimpfung sei hingegen mit einem „verringerten Risiko“ für grippeähnliche Atemwegserkrankungen verbunden.
Die Studie beruht auf Daten von 1.745 im Schweizer Gesundheitswesen Beschäftigten, die Daten wurden zwischen November 2023 und Mai 2024 erhoben. Der Alters-Median der Untersuchten lag bei 46 Jahren, rund 82 Prozent der Teilnehmer waren weiblich. Zehn Prozent hatten sich nicht gegen Corona impfen lassen, rund 21 Prozent hatten eine oder zwei Impfungen erhalten, über die Hälfte (51 Prozent) hatten drei und knapp 18 Prozent sogar vier Impfungen gegen Corona erhalten.
Ebenfalls im August 2025 wurde in der Fachzeitschrift „Vaccine“ eine schwedische Studie veröffentlicht, die Ausfallzeiten von 3.805 Beschäftigten im Gesundheitssystem des Landes nach zwei Corona-Impfungen untersucht hatte. Zwölf Prozent der mit dem Impfstoff „Comirnaty“ der Firmen BioNTech und Pfizer geimpften Teilnehmer waren demnach von so starken Symptomen nach der Impfung betroffen, dass sie am Folgetag beziehungsweise an den folgenden Tagen nicht arbeiten konnten. Beim Impfstoff „Spikevax“ der Firma Moderna waren es 36 Prozent, bei „Vaxzevria“ der Firma AstraZeneca 29 Prozent. Den höchsten Wert erzielte die Kombination aus „Vaxzevria“ und „Spikevax“ mit 48 Prozent.
Die Studienautoren schreiben: „Wir halten dies für eine hohe Rate im Vergleich zu anderen Impfstoffen, die Gesundheitspersonal angeboten werden, beispielsweise dem Grippeimpfstoff“. Die Nebenwirkungen nach einer COVID-19-Impfung könnten zu einer „erheblichen Anzahl von Fehlzeiten“ führen, „was möglicherweise Störungen auf organisatorischer Ebene bei der Personalbesetzung verursachen kann“. Weiter heißt es, die „signifikanten Unterschiede in der Häufigkeit von Nebenwirkungen in Bezug auf Impfstofftyp, Alter und Geschlecht“ würden „insgesamt nicht bei anderen häufig verwendeten Impfstoffen für Erwachsene beobachtet werden“.
Zeitgleich vermelden die Krankenkassen in Deutschland weiterhin Rekorde bei Krankschreibungen wegen Atemwegsinfekten. So berichtete die „DAK Gesundheit“ Anfang August für das erste Halbjahr 2025 von einem erneuten Anstieg von Fehltagen aufgrund von Grippe und Erkältung – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kletterte der Wert um 13 Prozent. „Während Erkältungen und Grippe in der ersten Jahreshälfte 2024 rund 196 Fehltage je 100 Versicherte verursachten, waren es von Januar bis Juni 2025 rund 221 Tage.“ Untersucht wurden Krankschreibungen von 2,25 Millionen DAK-versicherten Beschäftigten.
Bereits vor einem Jahr – im August 2024 – hatte die „Barmer-Krankenkasse“ „Höchststände bei Atemwegs-Krankschreibungen“ gemeldet. Die Barmer-Auswertung untersuchte jeweils die Zeiträume von Ende Mai bis Anfang Juli der Jahre 2018 bis 2024. Demnach war das Krankheitsgeschehen im Jahr 2020 – dem ersten Corona-Jahr – noch unauffällig. Ab 2022 stiegen die Fehlzeiten der Beschäftigten wegen Atemwegsinfekten in den Sommermonaten deutlich an, teils auf das Fünffache des Jahres 2020.
Auf eine Anfrage der damaligen BSW-Bundestagsabgeordnete Jessica Tatti zu den Höchstständen bei Atemwegs-Krankschreibungen mitten im Sommer erklärte die Bundesregierung 2024, dies könne mit dem „demografischen Wandel“ zusammenhängen. Zudem habe die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung womöglich „zu einer vollständigeren Erfassung der ärztlich festgestellten Arbeitsunfähigkeiten“ geführt. Allerdings war die elektronische Übermittlung der Arbeitsunfähigkeitsdaten vom Arzt an die Krankenkassen erst ab dem 1. Juli 2022 verpflichtend, sowie ab dem 1. Januar 2023 vonseiten der Krankenkassen an den Arbeitgeber. Auch die vereinfachte Krankmeldung per Telefon, die schon zur Erklärung des ab 2021/22 beobachteten Phänomens herangezogen wurde, galt erstmals bereits am 9. März 2020.
comment-waltersiegrist : Weshalb wurden bei Corona keine epidemiologischen Kohortenstudie durchgeführt, wie sie die Lehrbücher vorschreiben.
Dr. Daniel Koch gibt keine befriedigende Antwort auf die Frage von Oliver Christen
https://x.com/RealWsiegrist/status/1958952205454917685
journal : Nature Communications Medicine
title : Association of SARS-CoV-2 vaccination status with risk of influenza-like illness and loss of workdays in healthcare workers
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year : 2025
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